Sechzehn Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule Technik und Gesundheit Klasse 12 der berufsbildenden Schulen Münden begrüßten am Montag, dem 13. April 2026 sechzehn Schülerinnen und Schüler der technischen Schule aus Chelmno (Polen) – Szkola Techniczna BZDZ mit dem Schwerpunkt Uniformberufe – Polizei, Feuerwehr und Militär – zu einer gemeinsamen Projektwoche. Ziel des Treffens war es, sich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Ausbildung und Berufspraxis von Polizei und Feuerwehr in Deutschland und Polen zu untersuchen. Begleitet wurde die polnische Gruppe von zwei Lehrern, die mit den Mündener Lehrern Volker Krause und Sabine Sgonina diesen Austausch durchführten.
Am Dienstagmorgen startete die gemeinsame Arbeit in der Schule mit dem Projekt „Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Ausbildung, der Tätigkeit und dem Aufbau des Systems der deutschen und polnischen Polizei und Feuerwehr“. Die gesamte Gruppe wurde zudem von Mündener Schulleiter Herrn Keuneke begrüßt und die polnische Gruppe erhielt anschließend eine Führung durch die Schule.
Am Nachmittag führten die deutschen Schülerinnen und Schüler eine vorbereitete Stadtbesichtigung durch Hann. Münden durch und gaben den Gästen einen Einblick in Geschichte und Besonderheiten der Fachwerkstadt.
Am Mittwoch stand vormittags der Besuch der Polizeiakademie in Hann. Münden auf dem Programm. Dort erhielten die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in die Voraussetzungen für das Studium bei der PA, die einzelnen Bestandteile des Einstellungstests sowie in die Inhalte des Studiums. Eine Besichtigung des Geländes und der Sporthalle rundeten den Besuch bei der PA ab.
Im Anschluss wurde das gemeinsame Projekt weiter vertieft und Collagen angefertigt. Um die Kommunikation und das Miteinander zu fördern, arbeiteten die einzelnen Gruppen von Beginn an mit jeweils vier deutschen und vier polnischen Teilnehmern zusammen. Es zeigten sich schnell neue Freundschaften und angeregte Unterhaltungen.
Der Donnerstag begann mit einem weiteren, besonderen Programmpunkt: Eine ehemalige Schülerin der BBS Münden und jetzt Kommissarin bei der Polizei Göttingen besuchte die Gruppe in der Schule und berichtete aus ihrem Alltag im Polizeidienst. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen und sich über Anforderungen und Erfahrungen im Polizeiberuf auszutauschen. Sie konnten Ausstattung und Hilfsmittel der Polizisten anfassen und zum Teil sogar ausprobieren.
Am Nachmittag führte ein Ausflug zum UNESCO-Weltkulturerbe Herkules und zum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel.
Freitag besuchte die Gruppe die Berufsfeuerwehr in Göttingen und erhielt einen intensiven Einblick in die Arbeit als Feuerwehrmann beziehungsweise Feuerwehrfrau. Besonders eindrucksvoll war eine praktische Übung: Einige Schülerinnen und Schüler durften mit kompletter Arbeitskleidung, Atemschutzgerät, Schlauch und Axt ausgestattet in den siebten Stock des Übungsturms steigen. So konnten sie am eigenen Körper erfahren, unter welchen Bedingungen Einsätze teilweise stattfinden.
Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen sehr guten Einblick in den Arbeitsablauf eines Feuerwehrmannes, einer Feuerwehrfrau während ihres Dienstes. Weiterhin erhielt die Gruppe Informationen im Hinblick auf die Voraussetzungen und Anforderungen für den Beruf. Auch die verschiedenen Fahrzeuge und ihre Bedeutung wurden den Teilnehmenden ausführlich gezeigt und erklärt.
Anschließend folgte eine Besichtigung der Göttinger Innenstadt. Am frühen Abend rundete ein Schulfest der benachbarten Realschule den Tag ab, die zeitgleich ebenfalls eine polnische Austauschgruppe zu Gast hatte.
Der letzte gemeinsame Tag führte die Gruppe nach Thale. Dort ging es mit der Gondel zum Hexentanzplatz, gefolgt von einer Wanderung. Eine Brotzeit vor dem Haus der Bergwacht sorgte für eine wohlverdiente Stärkung. Dort wurde auch ausführlich über die Aufgaben der Bergrettung berichtet. Auf dem Rückweg kam es kurz vor der Autobahnauffahrt in Rhüden zu einer Buspanne, sodass die Fahrt zunächst nicht fortgesetzt werden konnte. Umgehend wurde ein anderer Bus organisiert, der die Schülerinnen und Schüler einsammelte und zurück nach Hann. Münden brachte. Der Schaden am polnischen Bus wurde noch in derselben Nacht repariert, sodass die polnischen Schülerinnen und Schüler mit ihren zwei Begleitpersonen am Sonntag die Heimreise antreten konnten.
Der Austausch wurde von allen Teilnehmenden als äußerst gelungen beschrieben. Die Verständigung erfolgte während der gesamten Woche auf Englisch. Alle Programmpunkte wurden von Gregor, einem Schüler der Fachoberschule Wirtschaft Klasse 12 begleitet und übersetzt, wodurch die Inhalte für alle Teilnehmenden transparent und verständlich waren. Es wurden zahlreiche Informationen ausgetauscht, Themen diskutiert und Inhalte verglichen. Besonders hervorgehoben wurde die harmonische Atmosphäre der Begegnung. Die Unterbringung der polnischen Gruppe erfolgte in der Jugendherberge in Hann. Münden, wo es auch Frühstück gab. Mittagessen gab es durch die schuleigene Kantine. Die Abendmahlzeiten erhielten die Schülerinnen und Schüler zum Teil im Geschwister-Scholl-Haus in der Innenstadt von Hann. Münden.
Die BBS Münden nimmt bereits seit Anfang der 2000er Jahre am deutsch-polnischen Schüleraustausch teil. In diesem Zusammenhang gab es bis 2020 die jährlichen Besuche zwischen der Mündener Schule und einer polnischen Schule aus Grubno. Seit 2020 ruhte der Austausch coronabedingt und konnte jetzt, sechs Jahre später, allerdings mit einer neuen Schule, wieder aufgenommen werden. Für das nächstes Jahr ist Gegenbesuch in Chelmno geplant.
Hann. Mündens polnische Partnerstadt Chelmno hat im September 2025 zu einem multinationalen Treffen eingeladen, um den Austausch zwischen Schulen und Vereinen nach der Coronapause wieder anzukurbeln. Aus diesem Grund sind Vertreter des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen Hann. Münden e.V. und Lehrer dreier Schulen für ein verlängertes Wochenende nach Chelmno gefahren.
Vor Ort traf die fünfköpfige Delegation auf Gleichgesinnte aus Chelmnos weiteren Partnerstädten – dem tschechischen Letovice und dem ukrainischen Kaniov. Gemeinsam besichtigte die internationale Gruppe eine Grundschule und ein Gymnasium sowie kulturelle
und städtische Einrichtung mit einer Vielzahl an Musik-, Tanz-, Mal- und Gesangsgruppen. Zum Programm gehörten auch ein Stadtrundgang durch Chelmno sowie der nahegelegenen UNESCO-Kulturerbe-Stadt Torun.
Alle Teilnehmenden waren hoch motiviert, den Austausch nach der mehrjährigen pandemiebedingten Pause neu aufleben zu lassen. Aus Hann. Münden war jeweils eine Lehrkraft der Berufsbildenden Schulen, der Werra Realschule und der Drei-Flüsse-Realschule
anwesend und knüpfte Kontakte zu Lehrern und Lehrerinnen ähnlicher Schulformen. Ein erster Besuch der polnischen Schüler in Hann. Münden soll bereits im nächsten Jahr stattfinden. Auch das Grotefend Gymnasium Münden ist im Austausch mit dem Gymnasium in Chelmno und hat für 2026 schon einen Austausch verabredet.
Sabine Sgonina ist Deutschlehrerin an den BBS Hann. Münden. Die BBS Münden habe bis 2020 einen engen Austausch mit einer polnischen Schule nahe Chelmno zwischen Lehrkräften und Schülern gepflegt. Nach der Multiplikatorenreise werde noch in diesem
Schuljahr ein einwöchiger Austausch in Hann. Münden geplant. Sie unterstütze den Schüleraustausch, damit die jungen Menschen ihr Nachbarland und andere Lebensweisen kennenlernen, ihren Horizont erweitern, interkulturelle Kompetenzen entwickeln und ihre
Sprachkompetenzen ausbauen können.
Alan Monetha ist Englischlehrer an der Werra Realschule. Er habe sich in der Partnerstadt sehr wohl gefühlt und den Austausch mit den anderen Delegationen positiv empfunden. „Für den Schüleraustausch möchte ich mich vor allem deswegen einsetzen, damit die
Jugendlichen zum einen ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden können, und zum anderen um Grenzen und Vorurteile abbauen“, sagt er. „Sie werden hoffentlich feststellen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind und es Menschen gibt, die andere Sachen als sie
machen. Dies soll zu einer Horizonterweiterung führen und hoffentlich dazu beitragen, dass sie die Vorteile der Demokratie und eines friedlichen und vereinigten Europas zu schätzen wissen.“
Yannick Stryga ist 1. Vorsitzender des Stadtjugendrings und hat die deutsche Gruppe in Polen betreut. „Die Multiplikatorenreise nach Chelmno war sehr arbeitsintensiv, aber auch ausgesprochen produktiv“, sagt er. „Im Mittelpunkt stand die Planung des Jugendaustauschs zwischen Hann. Münden und Chelmno: Für 2026 konnten wir bereits verbindliche Projekte festlegen. Darüber hinaus haben wir weitere Ideen im Bereich Kultur, Sport und Schule entwickelt. Besonders spannend war auch der Austausch mit den Partnerstädten aus der Ukraine und Tschechien. Dadurch wurde deutlich, wie vielfältig europäische Partnerschaften gelebt werden. Wir konnten voneinander lernen, mögliche gemeinsame Projekte anstoßen und sogar Fragen zu Finanzierung und Förderung klären.“
Bereits im Mai 2024 hatte der Stadtjugendring Hann. Münden den Jugendaustausch neu angestoßen. In Brüssel trafen sich Jugendliche aus Hann. Münden und Suresnes um gemeinsam die Arbeit der EU kennenzulernen. Im Oktober folgt nun ein Besuch in Berlin, bei dem Jugendliche aus Chelmno gemeinsam mit Mündener Jugendlichen den Bundestag und andere Berliner Sehenswürdigkeiten besuchen werden. Auch der Mündener Kanuclub hat seinen Kontakt nach Chelmno wieder aufgenommen und die befreundeten Sportler Anfang September 2025 zur Heimregatta eingeladen. Ein Gegenbesuch ist bereits in Planung.
„Wir sind froh, dass durch diese Treffen die Chance besteht, dass im nächsten Jahr wieder alle vor Corona am Austausch beteiligten Institutionen in direktem partnerschaftlichem Kontakt sein werden“, sagt Frank Stryga. Der erste Vorsitzende des Partnerschaftsvereins war bereits eine Woche vor dem multinationalen Treffen in Chelmno gewesen, um dieses vorzubereiten. Beim Vorbereitungstreffen sei auch über eine weitere Zusammenarbeit der befreundeten Städte im Denkmalschutz diskutiert worden. Zudem werde auch die Wiederaufnahme des Kunstaustausches geprüft, der bereits vor der Pandemie zwischen dem Mündener KunstNetz e.V. und polnischen Äquivalenten bestanden habe.